Presse

MONOPOL – Magazin für Kunst und Leben/online Juni 2009

courtesy Arthaus Nowodworski
arthaus:nowodworski
Den Dingen auf den Grund gehen

Sammeln von Sinnen lautet das Motto des Künstlerpaars Frauke und Dietmar Nowodworski. Im nordrhein-westfälischen Unna lädt ihr Arthaus Nowodworski zu ungewöhnlichen Ding-Erfahrungen ein. In wechselnden Ausstellungen führen sie die Sinnlichkeit der Dingwelt abseits von Zweckgedanken vor. Monopol sprach mit Frauke Nowodworski über Orte, Reisen und den verborgenen Zauber der Dinge.

Frau Nowodworski, was muss man sich unter dem Arthaus Nowodworski vorstellen?
Ein Kunstatelier, das wir 2004 ins Leben gerufen haben, in einem der ältesten Fachwerkhäuser in Unna. Unsere gemeinsame Arbeit begann schon früher, mit Fotoprojekten zunächst zu lokalen Themen. Mein Schwerpunkt ist Fotografie, soziale Faktoren, Lebensaspekte spielen da eine wichtige Rolle. Dietmar arbeitet seit zwanzig Jahren mit Objekt- und Installationskunst. Eine wichtige Gemeinschaftsarbeit war eine Art Feldstudie zu den ruhrgebietstypischen Trinkbuden, an denen früher nur Wasser verkauft wurde. Erst später kam ein Angebot von Alkoholika, Süßigkeiten und anderen Waren dazu. Uns ging es um den Aspekt, dass die Trinkhallen allmählich verschwanden – und damit besondere soziale Treffpunkte. Wir fuhren durchs Ruhrgebiet, haben sechzig Szenerien von Trinkhallen aufgenommen und haben mit den Besitzern gesprochen.

Sie haben auch eine Trinkhalle in ihrem Kunsthaus aufgebaut. War das eine authentische Rekonstruktion?
Nein, das war eine Fantasiebude, in der Kitsch und Kultur versammelt war. Außerdem war dieser Kiosk interaktiv. Man konnte auf verschiedene Knöpfe drücken, dann bewegten sich bestimmte Objekte.

Ganz gemäß dem Motto der diesjährigen Biennale in Venedig sind Sie auch „Weltenmacher“, oder?
Stimmt. Unser zentrales Anliegen aber ist, den Besucher mit der realen Welt zu konfrontieren, wenn auch aus ungewohntem Blickwinkel. Unser aktuelle Ausstellung heißt „Die andere Perspektive“. Die Objekte, die dort zu sehen sind, sollen ein „Umschalten“ beim Betrachter bewirken. Es sind Objekte, die zum alltäglichen Lebensbedarf gehören. Sie werden normalerweise als Gebrauchsobjekte genutzt, sollen im Kunstraum aber wieder als Ding an sich erlebt werden.

Oft kombinieren Sie Objekte. Es entstehen „Gegenstands-Wolpertinger“ aus vielen verschiedenen Elementen, ein Opernglas am langen Hals eines Fleischwolfs zum Beispiel.
Bei diesen Skulpturen spielt die Bewegung eine entscheidende Rolle. So können die Besucher an Kurbeln drehen, oder anderweitig einen Mechanismus in Bewegung setzen. Es entstehen ganz neue Assoziationen zur Dose, Schiffsschraube, zum Opernglas oder zu anderen Dingen.

Mit ihrem Slogan „Sammeln von Sinnen“ sprechen Sie sich ja auch für ein Ausblenden des Nützlichkeitsaspekts aus.
Uns interessiert die Schönheit des Gegenstands an sich. Jeder kennt das aus seiner Kindheit: Kindern sammeln Blätter und nehmen die Formen und Farben wahr. Das geht in der schnelllebigen Gesellschaft verloren. Wir wollen die Leute wieder an die individuelle Betrachtung der Dinge heranführen.

Wie funktioniert das Team? Gehen Sie arbeitsteilig vor? Gibt es Reibungen beim Zusammenarbeiten?
Wir arbeiten eigentlich sehr harmonisch zusammen. Es beginnt mit dem Sammeln, mit dem Wahrnehmen von Gegenständen. Ein wichtiger Faktor für uns ist das Reisen; bei Stadtbesuchen begeben wir uns nicht nur in die attraktiven Ecken, sondern vor allem dahin, wo gelebt wird. Wir lesen Dinge auf oder fotografieren Schriftzüge an irgendwelchen Mauern. Der nächste Schritt ist die bewusste Kombination der Elemente im Atelier und die gemeinsame Entscheidung, wie sich die Apparaturen bewegen sollen. Dietmar übernimmt die technische Realisation, und bei der Namensgebung entscheiden wir wieder zusammen.

Mit der Kamera lassen sich Dinge, Erscheinungen, Atmosphären leicht transportieren, beim Mitnehmen von Gegenständen stoßen Sie sicher auf Schwierigkeiten.
Ja, zum Beispiel war es schwierig, einen großen alten Gaskocher aus Griechenland durch den Zoll zu bekommen. Weil ich früher in der Touristikbranche tätig war, konnte ich aber gut Griechisch und habe den Zollbeamten bekniet, dass er den Koffer mit dem Gaskocher freigibt. Für uns selbst sind die Dinge natürlich mit tausend solcher Geschichten verbunden. Der Betrachter entwickelt hoffentlich wieder andere Assoziationen.

Wie sehen ihre nächsten Pläne aus?
Wir bereiten ein Projekt für die Ruhr 2010 vor. Unter diesem Label werden ja die 53 Städte und Gemeinden des Ruhrgebiets zusammengefasst. Wir wollen eine ehemalige Fabrikhalle in der Stadt Unna nutzen und dazu mit einer Gruppe holländischer Künstler zusammenarbeiten. Ich will nicht zuviel verraten, aber unser Projekt dreht sich um Industriekultur im Wandel. Sie wissen, dass solche Veränderungen im Ruhrgebiet immer besonders schnell passieren.

Interview: Jens Hinrichsen

Hellweger-Anzeiger 04.09.2009

Zauberhafte Welten
Galerie ART-isotope zeigt Objekte von Dietmar und Frauke Nowodworski

DORTMUND
In Traum- oder Zaubenwelten entführt eine neue Ausstellung der Dortmunder Galerie ART-isotope von Axel Schöber.

Dietmar und Frauke Nowodworski aus Unna zeigen bis zum 9. Oktober ihre Objekte zum Thema »Sinneswandel« Es handelt sich dabei um Gegenstände, wie sie jeder kennt: Teedosen, alte Kameras, Kaffeemühlen oder Ölsardinen-Konserven. Eigentlich.

Denn das Künstler-Ehepaar gibt diesen Gegenständen einen eigentümlich neuen Sinn. Zum Beispiel der Keksdose, die mit beweglichen Federn und kleinen Rädern nun eine Mischung aus Flugzeug und Vogel geworden ist.

Viele der unterschiedlich großen Objekte sind beweglich, werden von kleinen Elektro- oder Solarmotoren oder auch durch einen Bewegungsmelder angetrieben.

Über allem schwebt ein wenig die Atmosphäre, die von dem Film »Die wunderbare Welt der Amelie« ausgeht: leicht verschroben auf eine sympathisch-poetische Weise. Aus einem der Objekte ertönt sogar die Filmmusik, wenn man einen Schalter betätigt.

Axel Schöber: „Viele der Exponate haben eigentlich keinen Sinn. ER erschließt sich erst in den Augen, des Betrachters.“

Ein wichtiges Thema von Dietmar und Frauke Nowodworski ist die Zeit. Es gibt Werke wie »Zeitmaschine« – dabei dreht sich der Zeiger einei Uhr rückwärts – oder »Traumzeit erreicht«, eine spielerisch gestaltete Uhr, bei der die Zeiger alles mögliche tun, nur nicht die Zeit anzeigen, Ein kleines, filigran gestaltetes Männchen schlägt eine Art Glocke.

»Sinneswandel« eröffnet am Sonntag, 6. September, in der Galeria ART-isotope an der Arneckestraße 42
Öffnungszeiten: so, mo, die, fr, 14.30 bis 19.30 Uhr.
www.art-isotope.de
AS

Wochenblatt Menden 02.08.2009

Mendener Zeitung 29.04.2009

Stadt Unna 19.11.2008

Ruhrnachrichten 23.04.2007

Mitteldeutsche Zeitung 15.12.2007

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Hellweger Anzeiger 25.02.06

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