Ausflugstipp: Licht und Schatten in Unna
Von Klaus Kuderer
er Unna nur als Autobahnschild oder als den „kleinen Nachbarn“ von Dortmund kennt, dem entgehen in der alten Hansestadt am Hellweg nicht nur ein historisches Stadtzentrum mit viel Fachwerk, sondern auch lichte und dunkle Momente, die man nicht so leicht wieder vergisst.
Lichtkunst in Brauereigewölben als Highlight
In der ehemaligen Lindenbrauerei aus dem 19. Jahrhundert mit seinem 52 Meter hohen Schornstein steigt man hinab in das weltweit einmalige Zentrum für Internationale Lichtkunst. Dort, wo früher alte Biergärbecken und Kühlkellerräume den Gerstensaft reifen ließen, hielten 2001 die bekanntesten Lichtkünstler Einzug: Olafur Eliasson, James Turrel oder Rebecca Horn haben für das Unnaer Industriedenkmal Räume geschaffen, die nicht nur Kunstkenner faszinieren.
Stadtführung in historischen Privatkellern
„Da hier eine Ackerbürgerstadt war und kein schickes Schloss steht, wollen wir unter Tage den Besuchern Unna näher bringen“, erklärt Stadtführer Wolfgang Patzkowsky. Und schon geht es unterirdisch weiter, zum Beispiel unter das Musikhaus Ebel in die Kunstkellergalerie „Nowodworski“. Die Gemäuer aus dem 15. Jahrhundert haben selbst die Zerstörungen des 30-jährigen Krieges überlebt. Einige Meter weiter wurde sogar ein Goldschatz aus dem 14. Jahrhundert gefunden. Heute blinken hier kleine Lampen und sind Skulpturen ausgestellt, und Spiegel reflektieren Kerzenlicht in die Gänge.
In einem anderen Fachwerkhaus neben der Stadtkirche haben sich die Bewohner ihren ganz eigenen Partykeller eingerichtet. Die Bruchsteinmauern aus Sandstein stammen aus dem 16. Jahrhundert. An der Theke lädt „Kellerkind“ Wolfgang Patzkowsky dann seine Gäste zu einem Glas Wein ein. Ein halbes Dutzend Privatkeller stehen auf seinem Programm. Dieser Rundgang unter Tage bietet dann immer auch Zeit für Geschichte und Geschichtchen der Hansestadt.
Sammeln von Sinnen
Auch Kunst ist eine Form, dem Alltag zu entfliehen. Am Rande des Ruhrgebiets vereint das Künstlerpaar Frauke und Dietmar Nowodworski Kultur mit Geschichte.
In einem 500 Jahre alten Fachwerkhaus der Stadt Unna / NRW richteten die Beiden Ende 2004 ihr Atelier ein und zeigten seither im „arthaus:nowodworski“ 9 Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Auch andernorts findet man ihre Fotografien und Objekte in permanenten Ausstellungen, und ein Ende 2008 herausgebrachter zweisprachiger Katalog dokumentiert ihre Arbeiten.
Reisen ist ein sehr wichtiger Aspekt in ihrem Leben, immer neue Inspirationen aus unterschiedlichen Kulturen, Orten und Menschen. Diese zeigen sie in Fotoprojekten, wie DOWN TOWN, Made in Cuba, Fernweh oder Souvenir del Mar (derzeitige Daueraustellung in der Firma Keuco) und nehmen ihre Besucher mit auf eine imaginäre Reise in eine andere Welt.
Auch die neue Ausstellung, „DIE ANDERE PERSPEKTIVE“, spricht die Sinne in einer ganz eigenen Form an. Hier wird die Philosophie der Künstler gegenwärtig: Kunst ist dort, wo die Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft trifft, verschmilzt und somit der Realität die Schwere nimmt.
Dieser
Punkt wird in dieser Ausstellung besonders anhand der Objekte und der
verwendeten Materialien verdeutlicht. Die Künstler zeigen hier, wie
Dinge unterschiedlichster Herkunft, Zweckmäßigkeit und ursprünglich
angedachter Nützlichkeit in neuer Komposition zu einem eigenständigen
Leben erwachen. Der Besucher wird so einerseits aus dem Alltag entführt
und hat doch in spielerischer Form den Wiedererkennungseffekt, welcher
ihm ein Lächeln entlocken mag. Auch in der Rauminstallation „die
handelsfreie Zone“ verliert sich der Besucher in seine eigene Welt.
Licht, Klang und Haptik appellieren an seine Sinne und eigene
Wahrnehmung.
Mehr zu „arthaus:nowodworski“ finden Sie unter:
www.nowodworski.de oder folgen Sie der Route der Industriekultur und
genießen Sie einen „escape aus dem Alltag“ zwischen historischem
Ambiente und moderner Kunst.
Doppeldeutig
Was haben eine altertümliche Handbohrmaschine, ein vergoldetes Opernglas mit Perlmuttgriff und eine kleine Schiffsschraube gemeinsam? Frauke und Dietmar Nowodworski haben sie gefunden – die Bohrmaschine in Köln, die Schiffsschraube in Hamburg und das Opernglas in Budapest – und zu einer mannshohen Skulptur zusammengefügt. Mit der schlanken Gestalt und dem kühlen Blick aus den gold umrahmten Gläsern wirkt sie streng, fast ein bisschen etepetete. Doch sie hat auch eine ganz andere Seite. Dreht man an der seitlichen Kurbel der Bohrmaschine beginnt ein rasender Tanz, bis der Griff des Opernglases durch die Fliehkraft horizontal absteht. Nach dem Austrudeln richtet sich der Blick wieder starr in die Ferne. Als Verursacher und Beobachter weiß man nicht so recht, ob die Unterbrechung eine Wohltat oder lästige Pflicht war.
Sammeln von Sinnen
Die beweglichen Skulpturen und Objekte des Künstlerpaares haben ganz unterschiedliche Wirkungen. Mal direkt wie gerade erlebt, mal wird man zum Betrachter kleiner Universen und mal entlocken sie einem ein Schmunzeln. Eines haben alle gemeinsam: Sie bestehen aus unterschiedlichsten Fundstücken, die – liebevoll und kreativ zusammengesetzt – einen bis dahin verborgenen Sinn entfalten. In dem historischen Haus in der Altstadt von Unna, in dem Frauke und Dietmar Nowodworski wohnen, arbeiten und ausstellen, hängt der Himmel sprichwörtlich voller Ideen. Ihre gesammelten „Rohstoffe“ bewahrt das Künstlerpaar in einer großen Werkstatt auf – in Regalen und aus Platzgründen auch an Haken an der Decke.
Oft sind die einzelnen Fundstücke für sich schon kleine Kunstwerke. Schrammen, Beulen und Gebrauchsspuren erzählen von einem zweckbestimmten Vorleben. Frauke und Dietmar Nowodworski gucken genau hin undentdecken darüber hinaus verborgene Qualitäten, die sie durch die Kombination mit weiteren Fundstücken, kleinen Figuren, Federn, Rädern oder anderen Gegenständen aus ihrem Fundus zum Vorschein bringen. Kleine Motoren im Inneren der Kunstwerke starten auf Knopfdruck oder reagieren über Sensoren auf Bewegung. So werden die Objekte zum Leben erweckt – manche danken es dem Betrachter auch mit einer akustische Begleitung.
Erwecken Sie unter www.beruehrungspunkte.de die Kunst zum Leben und entdecken Sie das ganze Potenzial der Objekte.
‚XCHANGE
Neben
der Sammelleidenschaft arbeitet das Künstlerpaar an weiteren Projekten.
Großformatige Installationen und vor allem die Fotografie gehen immer
wieder Verbindungen ein, so auch bei dem aktuellen Projekt im Rahmen der
europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010.
In Zusammenarbeit mit dem Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky und internationalen Künstlern und Fotografen thematisieren Frauke und Dietmar Nowodworski den Verfall und die Neuentdeckung von Industriebrachen und -architekturen.
Führungen, Installationen und Fotografien beleuchten das Thema Fusion urbaner Kerne und landschaftlicher Zonen. Ein ehemaliges Fabrikgebäude, seiner ursprünglichen Funktion enthoben, dient hierbei als Ausstellungs- und Projektionsfläche und zeigt so pragmatisch eine Neuentdeckung alter Industriekultur.
Doppeldeutig
Was haben eine altertümliche Handbohrmaschine, ein vergoldetes Opernglas mit Perlmuttgriff und eine kleine Schiffsschraube gemeinsam? Frauke und Dietmar Nowodworski haben sie gefunden – die Bohrmaschine in Köln, die Schiffsschraube in Hamburg und das Opernglas in Budapest – und zu einer mannshohen Skulptur zusammengefügt. Mit der schlanken Gestalt und dem kühlen Blick aus den gold umrahmten Gläsern wirkt sie streng, fast ein bisschen etepetete. Doch sie hat auch eine ganz andere Seite. Dreht man an der seitlichen Kurbel der Bohrmaschine beginnt ein rasender Tanz, bis der Griff des Opernglases durch die Fliehkraft horizontal absteht. Nach dem Austrudeln richtet sich der Blick wieder starr in die Ferne. Als Verursacher und Beobachter weiß man nicht so recht, ob die Unterbrechung eine Wohltat oder lästige Pflicht war.
Sammeln von Sinnen
Die beweglichen Skulpturen und Objekte des Künstlerpaares haben ganz unterschiedliche Wirkungen. Mal direkt wie gerade erlebt, mal wird man zum Betrachter kleiner Universen und mal entlocken sie einem ein Schmunzeln. Eines haben alle gemeinsam: Sie bestehen aus unterschiedlichsten Fundstücken, die – liebevoll und kreativ zusammengesetzt – einen bis dahin verborgenen Sinn entfalten. In dem historischen Haus in der Altstadt von Unna, in dem Frauke und Dietmar Nowodworski wohnen, arbeiten und ausstellen, hängt der Himmel sprichwörtlich voller Ideen. Ihre gesammelten „Rohstoffe“ bewahrt das Künstlerpaar in einer großen Werkstatt auf – in Regalen und aus Platzgründen auch an Haken an der Decke.
Oft sind die einzelnen Fundstücke für sich schon kleine Kunstwerke. Schrammen, Beulen und Gebrauchsspuren erzählen von einem zweckbestimmten Vorleben. Frauke und Dietmar Nowodworski gucken genau hin undentdecken darüber hinaus verborgene Qualitäten, die sie durch die Kombination mit weiteren Fundstücken, kleinen Figuren, Federn, Rädern oder anderen Gegenständen aus ihrem Fundus zum Vorschein bringen. Kleine Motoren im Inneren der Kunstwerke starten auf Knopfdruck oder reagieren über Sensoren auf Bewegung. So werden die Objekte zum Leben erweckt – manche danken es dem Betrachter auch mit einer akustische Begleitung.
Erwecken Sie unter www.beruehrungspunkte.de die Kunst zum Leben und entdecken Sie das ganze Potenzial der Objekte.
‚XCHANGE
Neben
der Sammelleidenschaft arbeitet das Künstlerpaar an weiteren Projekten.
Großformatige Installationen und vor allem die Fotografie gehen immer
wieder Verbindungen ein, so auch bei dem aktuellen Projekt im Rahmen der
europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010.
In Zusammenarbeit mit dem Stadtheimatpfleger Wolfgang Patzkowsky und internationalen Künstlern und Fotografen thematisieren Frauke und Dietmar Nowodworski den Verfall und die Neuentdeckung von Industriebrachen und -architekturen.
Führungen, Installationen und Fotografien beleuchten das Thema Fusion urbaner Kerne und landschaftlicher Zonen. Ein ehemaliges Fabrikgebäude, seiner ursprünglichen Funktion enthoben, dient hierbei als Ausstellungs- und Projektionsfläche und zeigt so pragmatisch eine Neuentdeckung alter Industriekultur.
Aus dem Magazin BerührungsPUNKTE – Magazin Nr. 16: »Daneben«